28.06. Tom Ludwig

Herzliche Einladung

Liebe Leser, wann habt ihr das letzte Mal eine Einladung verschickt? Und was war der Anlass? Eine Hochzeit? Ein Geburtstag? Konfirmation? Taufe? … Und sind alle auf die Einladung hin gekommen oder hat jemand abgesagt? Wie fühlt sich das an, wenn man jemanden einlädt und man bekommt eine Absage? Nicht so gut, oder? Man fühlt sich irgendwie abgelehnt. Na ja, natürlich kommt es auch darauf an, aus welchem Grund jemand absagt, ob es ein wirklich verständlicher Grund ist oder ob man den Eindruck hat, es ist nur eine Ausrede, weil derjenige nicht kommen will. Was wären für euch verständliche Gründe und was sind Ausreden?

Jesus erzählt ein Gleichnis, wo es genau um so eine Situation geht. (Lukas 14,15-24) Ein Mann lädt zu einem großen Festmahl ein und schickt seine Angestellten, Einladungen zu verteilen. Aber alle sagen ab. Und mit welchen Begründungen?

Der Erste: Ich habe einen Acker gekauft und muss hingehen und ihn besehen. Ich bitte dich, entschuldige mich.

Der Zweite: Ich habe 5 Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen. Ich bitte dich, entschuldige mich.

Der Dritte: Ich habe eine Frau geheiratet, darum kann ich nicht kommen.

Sind diese Entschuldigen verständliche Gründe oder Ausreden? Was meint ihr? Der Mann im Gleichnis sieht es zumindest als Ausreden an. Er wird zornig und schickt seine Angestellten noch zweimal los und lässt die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen zu seinem Fest kommen. Und am Ende der Geschichte sagt er: „Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.“

Was sagt uns dieses Gleichnis? Natürlich geht es hier nicht um irgendwelche Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern, wo Menschen eingeladen werden und aus irgendwelchen Gründen absagen. Schon in der Überschrift wird deutlich, worum es eigentlich geht. Das Gleichnis heißt: „Vom großen Abendmahl“. Letzten Montag habe ich in meiner Andacht über das Abendmahl geschrieben. Erinnert ihr euch noch an die drei Bedeutungen? Jesus selbst lädt zum Abendmahl ein, weil er mit uns seinen Sieg über die Sünde und den Tod feiern will. ER möchte, dass wir uns daran erinnern, was er für uns getan hat und er möchte, dass wir Gemeinschaft unter uns haben und uns gegenseitig achten und lieben. Und die Menschen, die das Abendmahl ablehnen, lehnen Jesus ab. Sie können oder wollen nicht an ihn glauben. Und ich denke, dass diese drei Ausreden in dem Gleichnis für die wichtigsten Gründe stehen, warum Menschen nicht an Gott glauben.

1. Der Acker steht für den Besitz

Jesus sagt einmal: Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel. Er will damit sagen, dass reichen Menschen es viel schwerer haben, sich auf Gott zu verlassen und an ihn zu glauben, weil sie immer in der Gefahr stehen, sich auf ihren Reichtum zu verlassen. Wofür brauche ich Gott, wenn ich genug Geld, ein Haus, ein Auto, für alles Versicherungen usw. habe?

2. Die Ochsen stehen für die Arbeit

Ich glaube, dass die Arbeit vielen Menschen im Wege steht, an Gott zu glauben. Zum einen weil es für viele der Lebensinhalt ist und zum anderen weil viele Stress und keine Zeit haben, sich um Glaube und Gemeinde und so zu kümmern. Und wenn man seinen Glauben zeitlich vernachlässigt, geht er mit der Zeit ein. Das ist wie mit einer zwischenmenschlichen Beziehung.

3. Die Frau steht für Beziehungen

Auch andere Menschen können mich abhalten, an Gott zu glauben. Zum einen weil sie vielleicht dagegen sind und ich mich nicht traue, mich dazu zu bekennen. Aber auch die Zeit kann ein wichtiger Hinderungsgrund sein. Wenn ich die Beziehungen zu anderen Menschen wie Partner, Kinder oder Freunde meiner Beziehung zu Gott vorziehe, dann kann mein Glaube leicht einschlafen bzw. ich komme gar nicht dazu, damit anzufangen.

Ich denke, die drei Dinge sind die wichtigsten Hinderungsgründe, warum Menschen nicht der Einladung Gottes folgen, an ihn zu glauben. Darauf will Jesus mit dem Gleichnis aufmerksam machen. Und wenn uns etwas bewusst ist, können wir auch viel besser damit umgehen und dagegen etwas unternehmen. Natürlich sind Besitz, Arbeit und Beziehungen sehr wichtig für unser Leben und das ist auch gut so, aber sie sollen uns nicht im Weg stehen, ein Leben mit Gott zu führen. Im Gegenteil: Gott will, dass durch den Glauben unser Verhältnis zu Besitz, Arbeit und anderen Menschen besser wird und dass wir ihn in alle Bereiche unseres Lebens einbeziehen. Das ist meiner Meinung nach der richtige Glaube.

Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin (T: M. Siebald, M: J. Nitsch)