11.10. Tom Ludwig

Wer sich selbst erhöht …

Liebe Leser, Ampel oder Jamaika oder GroKo oder mir doch egal? Verfolgt ihr die aktuelle politische Situation in Deutschland? Es wird gerade fleißig sondiert und es werden bald Koalitionsgespräche geführt. Alle Parteien wollen gerne regieren, aber nicht jeder kann mit jedem und natürlich will jeder seine Inhalte durchbringen. Interessiert euch das oder ist euch das egal? Gehört ihr eher zu denen, die sagen: Es ändert sich eh nichts, egal welche Partei bzw. welche Koalition regiert. Ist das wirklich so? Ist es wirklich egal, wer regiert? Spielen Inhalte und Ziele der einzelnen Parteien wirklich keine Rolle? Ist das am Ende alles gleich, weil alle nur auf Macht aus sind?

Macht ist eine sehr gefährliche Sache. Viele Menschen stehen in der Gefahr, ihre Macht auszunutzen oder sogar zu missbrauchen. Das ist im Kleinen genauso wie im Großen. Eltern oder Lehrer oder Vorgesetze können ihre Macht genauso ausnutzen wie Politiker, Könige oder Diktatoren. Nur dass es im Kleinen eben meistens auch nur kleinere Auswirkungen hat, weil es nur wenige Menschen betrifft und im Großen betrifft es dann die ganze Bevölkerung.

Macht zu besitzen, etwas Besonderes, größer und wichtiger als andere zu sein, dieser Versuchung waren die Menschen schon immer ausgesetzt. Das ist kein Problem der Neuzeit. Ein Bibelwort, dass schon sprichwörtlich geworden ist, sagt, was Jesus dazu denkt:

Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. (Mt 23,12)

Demut und Bescheidenheit wünschte ich mir viel mehr unter den Politikern und Machthabern dieser Welt. Das Wort „Minister“ bedeutet eigentlich „Diener“. Verstehen sich die Minister und Regierenden als Diener des Volkes? Wollen sie wirklich das Beste für die Menschen? Oder wollen sie nur Macht und Einfluss und Anerkennung und sich selbst bereichern? Einen Vers vorher sagt Jesus:

Der Größte unter euch soll euer Diener sein. (Mt 23,11)

Ich bin der Überzeugung, dass es auf der Welt ein ganzes Stück besser wäre, wenn sich die Regierenden und Machthaber nicht als Herrscher, sondern als Diener sehen würden. Und genau das wünsche ich mir auch in Deutschland von unseren Politikern, nämlich dass sie ihrem Volk dienen wollen und alles dafür geben, dass es den Menschen in unserem Land gut geht.

Aber genau so möchte ich mich selbst und uns alle hinterfragen. Wie gehen wir mit der Macht um, die uns gegeben ist? Bin ich bescheiden und demütig im Umgang mit anderen oder lasse ich sie meine Überlegenheit oder meine Machtposition spüren? Wie schon gesagt, natürlich haben wir im Kleinen nicht den Einfluss und die Macht wie die Großen dieser Welt, aber trotzdem kann jeder von uns in bestimmten Situationen auch Machtpositionen einnehmen, als Eltern, Lehrer, Chef, bei geistiger oder geistlicher Überlegenheit usw. Wie gehen wir damit um?

Ich bin Diakon, was auch „Diener“ bedeutet. Und als solcher möchte ich gerne meiner Gemeinde und meiner Kirche dienen. Ich möchte gerne meine Zeit und Kraft und meine Begabungen für andere einsetzen, um ihnen zu helfen, Gott besser kennenzulernen und ihnen zu zeigen, was es bedeuten kann, als Christ zu leben. Ich wünsche mir und ich bitte Gott darum, dass ich das immer mit der nötigen Demut und Bescheidenheit tue. Und genauso wünsche ich es mir für unsere Politiker und für euch alle, die ihr diese Andacht lest. Denn der Größte unter euch soll euer Diener sein.

Wer Gott folgt, riskiert seine Träume (Text + Melodie: Theo Lehmann + Jörg Swoboda)