06.09. Tom Ludwig

Wen würde Jesus wählen?

Liebe Leser, kennt ihr die Aktion „WWJD“ (What would Jesus do), auf Deutsch: Was würde Jesus tun? Diese Bewegung kommt aus den USA und hat besonders bei jungen Leuten viel Zuspruch erfahren. Viele haben davon Armbänder oder T-Shirts oder Halsketten usw. angelegt, um deutlich zu machen: Mir ist es wichtig, was Jesus will und ich möchte mich bei allem, was ich tue, fragen: Was würde Jesus tun? Wenn man das konsequent durchzieht, kann das ein Leben vollständig verändern.

Am 26. September ist Bundestagswahl und deshalb möchte ich diese Frage „WWJD?“ ein wenig verändern und fragen: Wen würde Jesus wählen? Bzw.: Würde Jesus überhaupt wählen gehen? Kritiker könnten sagen: Zu der Zeit, als Jesus gelebt hat, gab es noch keine demokratischen Wahlen, deshalb kann man diese Frage nicht beantworten. Andere könnten sagen: Glaube und Politik sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe, das sollten wir trennen. Ich glaube aber, je besser wir Jesus kennen, desto mehr kann er uns beeinflussen in allen Bereichen unseres Lebens und natürlich auch im Umgang mit politischen Fragen wie z.B. meinem Wahlverhalten.

Und deshalb möchte ich euch ein paar Gedanken mit auf den Weg geben, die euch vielleicht helfen, bei der Bundestagswahl eine gute Entscheidung zu treffen. Dabei gehe ich davon aus, wie ich Jesus kennengelernt habe, und zwar durch die Bibel und durch meine persönlichen Erfahrungen mit ihm.

1. Ich glaube, Jesus würde zur Wahl gehen. Es gibt viele Stellen in den Evangelien, die deutlich machen, dass Jesus immer ein Freund der Tat war. „Geht hin in alle Welt“ (Mt 28,19) oder „Geh hin und tu das gleiche“ (Lk 10,37) oder als Jesus gefragt wird, ob man dem Kaiser Steuern zahlen soll, sagt er: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ (Lk 20,25). Passivität, andere machen lassen, Gleichgültigkeit, Raushalten, sich nicht um Politik kümmern usw., das alles ist nicht im Sinne Jesu.

2. Ich glaube, Jesus ist immer für den Menschen. Seine zentrale Botschaft ist: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Mk 12,31). Er geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn er sagt: „Liebt eure Feinde.“ (Mt 5,44). Oder auch die sogenannte Goldene Regel sollte man hier anführen: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ (Mt 7,12). Das heißt natürlich nicht, dass Jesus alles gut findet oder alles toleriert, was Menschen tun. Das ist etwas Anderes. Da konnte er auch sehr klar und geradlinig sein. Aber trotzdem war er nie gegen Menschen. Er hat alle geliebt und angenommen, auch die, die bei der Mehrheit unbeliebt und ausgestoßen waren: Betrüger, Prostituierte, Ausländer, Gewalttäter usw. Und deshalb glaube ich, dass Jesus keine Partei wählen würde, die gegen Menschen ist und sie ausschließt, diskriminiert, verurteilt oder lieblos behandelt.

3. Ich glaube, Jesus will Ehrlichkeit. Er sagt: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh 8,32). Das heißt nicht, dass Jesus nur die wählen würde, die immer die Wahrheit sagen. Dann könnte man leider niemanden wählen. Sondern ich glaube, Jesus will, dass wir ehrlich zu uns selbst sind und unsere Schuld erkennen und eingestehen. In 1.Joh 1,8 heißt es: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ Es geht nicht darum, fehlerlos zu sein, immer die Wahrheit zu sagen, immer alles richtig zu machen. Das kann niemand und natürlich auch keine Politiker. Wir alle sind auf die Barmherzigkeit Gottes und anderer Menschen angewiesen. Und deshalb glaube ich, dass Jesus die wählen würde, die ehrlich mit sich selbst und mit anderen sind und auch Fehler eingestehen können und die mit anderen barmherzig umgehen.

4. Ich glaube, Jesus will nicht nur, dass wir barmherzig mit anderen Menschen umgehen, sondern auch mit der ganzen Schöpfung. Jesus hatte ein sehr inniges Verhältnis zur Natur. Er war oft auf einem Berg zum Beten oder am See oder hat Gleichnisse erzählt, wo es um Dinge aus der Natur ging (z.B. Mt 13). Und natürlich glaubte Jesus an Gott, den Schöpfer aller Dinge, dem es wichtig ist, dass wir mit seiner Schöpfung verantwortungsbewusst umgehen. Und deshalb glaube ich, dass Jesus eine Partei wählen würde, die für Umwelt-, Tier- und Klimaschutz ist.

WWJW? Wen würde Jesus wählen? Vielleicht denkt ihr jetzt: Wenn wir diese Kriterien alle beachten würden, könnten wir niemanden wählen. Ja, das mag sein, aber manchmal haben wir eben nicht die Wahl zwischen richtig und falsch, sondern nur zwischen falsch und nicht ganz so falsch. Aber diese Möglichkeit sollten wir nutzen. Ich wünsche uns allen eine gute Entscheidung, mit Gottes Hilfe.

Wege vor mir (Text + Melodie: Samuel Harfst)