29.03. Tom Ludwig

Es ist vollbracht

Liebe Leser, was für eine Erleichterung: alle Anspannung, Schmerzen, Ängste, Sogen usw. fallen von einem ab. Endlich geschafft! Kennt ihr das? Wann hattet ihr zuletzt so ein Gefühl? Frauen, die ein Kind bekommen haben, können das sicher sehr gut nachvollziehen. Endlich geschafft! Oder nach einer bestandenen Prüfung oder einer überwundenen Krankheit oder Operation oder nach einer überwundenen Krise. Es gibt einige schwierige Situationen im Leben, wo wir erleichtert sind, wenn wir sie überstanden haben und uns zurücklehnen und denken: Endlich geschafft! Es ist vollbracht!

Wie erleichtert muss wohl Jesus gewesen sein, als er nach diesem schrecklichen Leidensweg mit Verrat, Verleumdung, Verurteilung, Geißelung, Verspottung, schwerster Schmerzen und Qualen am Kreuz endlich sagen konnte: „Es ist vollbracht!“. Wir können uns da eigentlich nicht hineinversetzen. Etwas nachvollziehbarer war dieser Leidensweg Jesu für mich, als ich zum ersten Mal den Film „Die Passion“ gesehen habe. Es war schrecklich. Aber so in etwa muss es gewesen sein. Denn wer glaubt, dass das alles für Jesus nicht so schlimm war, der irrt sich gewaltig. Im Garten Gethsemane kurz vor seiner Gefangennahme heißt es in Lukas 22,44:

„Und er geriet in Todesangst und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.“

Die Frage ist doch die: Warum hat Jesus das getan? Hatte er eine Wahl? Hätte er einen anderen Weg gehen können? Er ist angeeckt mit seiner Botschaft, ja. Er war unbequem für die Herrschenden, für die religiösen Führer, weil er ihre Lehren in Frage gestellt hat und für die Römer, weil er viele Menschen auf seiner Seite hatte. Aber musste er deshalb sterben? Hätte es nicht eine andere Möglichkeit gegeben? Ich glaube, ja, er hatte die Wahl. Als er gefangen genommen wurde, wollten seine Jünger ihn mit dem Schwert verteidigen, doch Jesus sagte:

„Stecke dein Schwert weg! Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, und er würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken? Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, dass es so geschehen muss?“ (Matthäus 26,52-54)

Jesus hatte die Wahl. Er hätte Gott darum bitten können, dass er ihm diesen Leidensweg erspart, aber er hat es nicht getan. Warum nicht? Weil er die Schrift erfüllen wollte? Naja, das können wir nicht so wirklich verstehen, oder? Warum leidet jemand, obwohl er es nicht müsste? Oder leidet ihr freiwillig? Ich glaube kaum. Die meisten schweren Dinge, die wir durchstehen müssen, sind unfreiwillig, manchmal sind wir nicht daran schuld, aber manchmal sind wir auch selbst schuld daran. Und ich glaube, genau das ist der Punkt: unsere Schuld. Jesus nimmt uns Leiden ab. Das heißt nicht, dass wir dadurch nicht mehr leiden müssen, das wäre schön, aber so ist das nicht. Jesus nimmt uns das Leiden ab, das unsere Schuld verursacht und das ist der Tod. Jesus tut es aus Liebe. In Johannes 15,13 sagt er:

„Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“

Und das ist die Motivation Jesu: Er tut alles aus Liebe. Und was verlangt er dafür als Gegenleistung? Nichts! Diese Liebe ist bedingungslos. Doch für mich hat das Konsequenzen. Ich möchte dafür dankbar sein und versuchen, seinen Wunsch zu erfüllen, nämlich auch ihn zu lieben und für meine Mitmenschen da zu sein. Und wisst ihr, was das Gute ist und was mir unwahrscheinlich viel Druck nimmt? Ich darf versagen. Meine Liebe muss nicht perfekt sein. Denn Jesus sagt am Kreuz zu mir (und zu euch):

Es ist vollbracht!

Die Liebe des Retters

Text und Musik: Mia Friesen und Stefan Schöpfle