24.01. Tom Ludwig

Himmel oder Hölle?

Liebe WhatsApp-Gemeinde, ein bibeltreuer Evangelist steht vorm Himmeltor. Er hat sein Leben lang gepredigt, dass Jesus der einzige Weg ist, um ins Reich Gottes zu kommen. Vor ihm stehen ein Jude, ein Moslem, ein Buddhist und ein Atheist. Doch zu seiner Überraschung lässt Jesus sie alle durch. Als er an der Reihe ist, fragt er Jesus aufgebracht: „Herr, aber du hast doch gesagt: Ich bin der Weg.“ Darauf antwortet Jesus: „Ja, ICH bin der Weg, nicht du.“

Wer kommt denn in den Himmel und wer nicht? Gibt es darauf eindeutige Antworten in der Bibel? In Johannes 3,36 heißt es: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“

Diese Aussage ist eindeutig, oder? Der Glaube an Jesus ist also die Voraussetzung, um ewiges Leben zu haben. Und trotzdem könnte man diesen Vers in zwei Richtungen hinterfragen. Zum einen: Könnte es sein, dass zwar jemand an Jesus glaubt, aber ihm trotzdem nicht gehorsam ist, also nicht tut, was er will? Ganz nach dem Ausspruch Jesu in der Bergpredigt: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern, die den Willen tun meines Vaters im Himmel.“ Wäre also NUR der Glaube zu wenig? Und zum anderen könnte man fragen: Was ist mit denen, die gar nicht an Jesus glauben können, weil sie vor Christus gelebt haben oder weil sie nie von Jesus gehört haben oder weil sie zu schlechte Erfahrungen mit Christen und Kirche gemacht haben und deshalb nicht glauben können? Oder was ist mit Kindern, die sich noch nicht entscheiden können. Das war ja auch der Grund, warum früher die Kindertaufe so wichtig war. Es gab eine hohe Kindersterblichkeit und da hatte man Angst, dass das Kind nicht zu Gott kommt, wenn es nicht getauft ist. Gehen diese Menschen verloren?

Und noch ein Gedanke, der mich sehr bewegt. Was ist mit den Menschen, die nicht an Jesus glauben, aber den Willen Gottes tun? Vielleicht tun sie das sogar unbewusst, so wie Jesus es im Gleichnis vom Weltgericht beschreibt (Matthäus 25,31-46). Dort fragen die einen, die ins Himmelreich dürfen: Wann haben wir dir Gutes getan?“ Und Jesus antwortet: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Gibt es also auch einen Weg ins Himmelreich durch gute Taten? Auch solche Aussagen macht Jesus. In Johannes 5,29 sagt er: „Es werden hervorgehen, die Gutes getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“

Wie ihr seht, ist es meistens nicht so einfach, die richtigen Antworten zu finden, weil Bibelstellen eben auch unterschiedliche Aussagen haben können, je nach dem, WER sie WANN zu WEM und WARUM gesagt hat. Antworten finden ist ein Prozess, der ein Leben lang anhält. So wie es Paulus schon in 1.Korinther 13,12 beschreibt: „Wir sehen jetzt in einem Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ Wie Gott wirklich ist und was er wirklich will, das werden wir erst erkennen, wenn wir bei ihm sind. Und wie wir zu ihm kommen, das sehe ich mit meinem Erkenntnisstand heute so. Und deshalb möchte ich euch zwei Gedanken mit auf den Weg geben, die mir sehr wichtig sind zu diesem Thema:

1. Gott liebt mich und deshalb möchte er, dass ich mit ihm lebe und dass ich seinen Willen tue, weil das das Beste für mich ist. Und er möchte, dass ich einmal bei ihm bin in seiner Ewigkeit. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16) Darauf vertraue ich. Gott will uns nicht in seinem Reich, weil wir Gutes tun, sondern weil er uns liebt. Deshalb ist er gnädig und vergibt, wenn wir es nicht geschafft haben, nach seinem Willen zu leben. Und ich will gerne Gutes tun, nicht weil ich damit in den Himmel kommen, sondern weil ich gerne seine Liebe erwidern will. Ich möchte aus Dankbarkeit gerne so leben, wie er es möchte.

2. Der Weg zu Gott ist der Weg der Liebe, die er uns durch seinen Sohn Jesus Christus gezeigt hat. Gott ist gnädig und barmherzig. Wenn wir diesen Weg gehen, dann werden wir ganz sicher einmal bei ihm sein. Darauf vertraue ich. Aber das heißt nicht, dass wir wissen können, wer einmal nicht bei Gott sein wird. Das sollten wir unbedingt Gott selbst überlassen. Er sagt in 2.Mose 33,19: „Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“ Uns steht es nicht zu, beurteilen zu können, wer das Recht auf die Gnade Gottes hat und wer nicht. Dieses Recht hat allein Gott. Und so könnte es sein, dass wir einmal Menschen in seinem Reich treffen, die wir dort vielleicht nicht erwartet haben. Aber darüber sollten wir uns nicht ärgern, sondern freuen. Denn auch wir werden dort sein, weil Gott gnädig ist und nicht, weil wir es verdient haben. Dafür bin ich meinem Gott unendlich dankbar.

Also hat Gott die Welt geliebt (K. Lafferty)