17.05. Tom Ludwig

Liebe Leser, vor kurzem war ich bei meinen Eltern zu Besuch und da bin ich in meinem Heimatort über den Friedhof gegangen. Ich wollte gerne die Gräber meiner Großeltern besuchen, die dort alle begraben sind. Ich war schon seit vielen Jahren nicht mehr dort auf dem Friedhof. Und als ich so die Inschriften auf den Gräben las, wurde ich sehr nachdenklich. Mir ist bewusst geworden, wie schnell die Zeit vergeht und dass meine Großeltern schon wieder so lange tot sind. Und die vielen Namen, die ich von früher her kannte. Ich war sehr überrascht, dass diese Menschen schon alle tot sind. Von vielen hatte ich noch die Gesichter vor Augen. Und da kamen sehr wehmütige und nachdenkliche Erinnerungen. Wie kurz ist doch unser Leben, wie bedeutungslos, wie vergänglich.

Und wie schnell sind wir vergessen. Normalerweise wird ein Grab nach 20 Jahren weggemacht. Was sind 20 Jahre? Zu Beerdigungen habe ich schon oft das Wort gehört: „Unvergessen“. Ja, sicher tröstet uns das in dem Moment, aber sind wir doch mal ehrlich: Wer von uns wird unvergessen sein? Natürlich gibt es ein paar bedeutende Persönlichkeiten, die auch noch nach Jahrhunderten bekannt sind, aber das sind die absoluten Ausnahmen. Sind nicht die meisten Menschen nach 20 Jahren, wenn das Grab weggemacht wird, vergessen? Es hat mich traurig gemacht, als mir bewusst wurde, wie selten ich an meine Großeltern denke. Sind sie für mich nicht auch schon vergessen?

Und dann denke ich daran, wie schnell wohl ich vergessen sein werde. Wie lange werde ich noch leben? Statistisch gesehen habe ich etwas noch 30 Jahre vor mir, aber was weiß ich denn? Es können auch noch 40 oder 50 Jahre sein, genauso kann mein Leben morgen enden. Ich weiß es nicht. Und wer wird alles um mich trauern, wenn ich nicht mehr bin? Und wer wird noch 20 Jahre nach meinem Tod an mich denken? Auf Beerdigungen wird oft ein Vers aus Psalm 90 gelesen, der mich immer wieder beeindruckt:

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Ps 90,12)

Und ich frage mich dann oft: Werde ich klug im Angesicht des Todes? Oder lebe ich einfach weiter so wie immer? Denke ich daran, wie kurz das Leben eigentlich ist? Oder lebe ich so, als würde ich ewig hier auf der Erde bleiben? Ich kümmere mich um Essen und Trinken, um Kleidung und Wohnung, um Arbeit, Geld, Wohlstand usw. Werde ich klug, wenn ich bedenke, dass ich sterben muss? Ich sage es ganz ehrlich: Eigentlich müsste ich klüger sein, denn ich habe diesen Vers schon sehr oft gehört. Doch es ist noch nicht zu spät, auch ich kann noch klug werden und ihr auch (falls ihr es nicht schon seid), deshalb schreibe ich euch heute meine Gedanken dazu auf. Folgende Lehren möchte ich gerne aus diesem Bibelvers ziehen:

1. Mein Leben ist in Gottes Hand.

Daran will ich glauben, darauf will ich vertrauen bis zu meinem letzten Atemzug. Völlig egal, wie lange ich lebe, wie ich lebe, was ich alles erlebe und völlig egal, wer um mich trauern wird und wann ich vergessen sein werde. Ich bin bei Gott in guten Händen. Er entscheidet über Leben und Tod. Er lässt mich nicht fallen. Er vergisst mich niemals. Er gibt meinem Leben einen Sinn. Er ist Anfang und Ende. Seine Liebe hört niemals auf.

2. Ich möchte mich gerne auf das Wesentliche konzentrieren.

Besitz, Geld, Wohlstand, Haus, Auto, Arbeit, Gesundheit, Schönheit, Erfolg, Anerkennung usw. das ist alles nicht unwichtig, aber im Angesicht des Todes tritt es in den Hintergrund. Wie sagt man so schön: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Wir können nichts mitnehmen. Deshalb sagt Jesus: „Häuft in dieser Welt keine Reichtümer an! Sie werden nur von Motten und Rost zerfressen oder von Einbrechern gestohlen! Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel.“ (Mt 6,19) Auf diese Schätze im Himmel will ich gerne meine Priorität legen. Ich möchte mit Gott durchs Leben gehen und nach seinen Maßstäben leben. Ich möchte für anderen Menschen da sein und sie lieben und barmherzig mit ihnen umgehen. Ich möchte das Richtige tun und wenn es mir nicht gelingt, dann lebe ich aus der Kraft der Vergebung und versuche es wieder und wieder.

Und deshalb möchte ich mit euch zusammen beten: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Amen.

Meine Zeit steht in deinen Händen (T+M: Peter Strauch)