10.05. Tom Ludwig

Ehre Vater und Mutter

Liebe Leser, gestern war Muttertag und da dachte ich, es ist passend, einmal etwas zum 5. Gebot zu schreiben. Wie habt ihr eure Mutter gestern geehrt? Da gibt es sicher Unterschiede, manche Mütter leben gar nicht mehr, da kann man sie auch schlecht ehren, es sei denn man geht auf den Friedhof zum Grab oder zündet für sie eine Kerze an oder denkt einfach nur an sie. Habt ihr sie zu Lebzeiten geehrt? Oder denkt ihr manchmal, dass ihr hättet mehr für sie tun können und habt ein schlechtes Gewissen dabei? Wenn das so ist, dann möchte ich euch Mut zusprechen: Gott vergibt! Wir alle verstoßen gegen Gebote, doch Gottes Liebe ist größer als Gesetze und Moral.

Und für alle die, deren Mutter noch lebt. Ehrt ihr sie? Was ist das eigentlich: ehren? Ich glaube kaum, dass wir sie in den Himmel heben sollen, dass wir sie verehren sollen. Nein, das ist nicht gemeint. Ehren heißt in dem Falle, sie mit Achtung und Respekt und voller Dankbarkeit behandeln, denn die Mutter ist im Normalfalle der Menschen, der das Meiste für mich getan hat. Die meisten Mütter geben ihr eigenes Leben ein ganzes Stück auf, um für die Kinder da zu sein. Sie verzichten auf Karriere, Anerkennung, Hobbies, Geld und vieles mehr. Ich habe mal gelesen, dass ein Kind bis zum 18. Geburtstag etwa ein Einfamilienhaus kostet, und da reden wir noch gar nicht von der Zeit, der Kraft, den schlaflosen Nächsten usw. Ich denke, für das alles haben Mütter Respekt, Achtung, Dankbarkeit und Liebe verdient.

Ich habe geschrieben: Im Normalfalle. Ja, ich will nicht verschweigen, dass es natürlich auch andere Mütter gibt. Der Volksmund nennt sie oft Rabenmütter. Dieser Begriff tut den Raben eigentlich Unrecht. Sie werfen ihre Jungen zwar zeitig aus dem Nest, daher der Begriff, aber sie kümmern sich weiter um sie, bis sie selbstständig sind, das wird oft nicht gesehen. Trotzdem verbirgt sich hinten dem Begriff eine Bezeichnung für Mütter, die sich nicht oder nur schlecht um ihre Kinder kümmern. Was ist mit denen? Soll ein Kind seine Mutter ehren, obwohl sie es zur Adoption freigegeben oder vernachlässigt oder misshandelt usw. hat? Zwei Gedanken sind mir dazu gekommen:

1. Das Gebot „Ehre Vater und Mutter“ ist nicht für Kinder gedacht.

Wenn Eltern damit Kindern beibringen wollen, sie sollen auf sie hören, dann ist das nicht das richtige Mittel, finde ich. Das Gebot gilt den Erwachsenen. Sie sollen sich um ihre alten Eltern kümmern, sie versorgen. Es ist sozusagen die Altersversorgung, weil es zu dieser Zeit noch keine Rente gab. Und wenn die Eltern nicht mehr selbst für ihre Versorgung aufkommen können, dann sollen es die Kinder tun. Ich sage keinesfalls, dass das Gebot heute nicht mehr gilt, aber die Bedeutung hat sich geändert. Heute geht es nicht mehr in erster Linie um die finanzielle Versorgung der alten Eltern, sondern darum, für sie da zu sein und sie im Alter nicht zu vergessen.

2. Ehre, wem Ehre gebührt.

Ich glaube nicht, dass dieses Gebot für alle gilt, weil manche Eltern es nicht verdient haben, von den Kindern geehrt zu werden. Wie ich vorhin schon erwähnt haben, gibt es leider auch Eltern, die ihre Kinder misshandeln, vernachlässigen oder weggeben. Natürlich kann ich von solchen Kindern nicht verlangen, dass sie ihre Eltern dafür ehren. Deshalb gilt für diese Menschen, die so etwas erlebt haben, ein anderes Gebot: Vergebt einander, wie Gott euch vergibt. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nur dann Frieden finden, wenn wir unseren Eltern vergeben, was auch immer sie uns angetan haben. Das ist in manchen Situationen sicher nicht leicht, aber Gott will es so, weil es das Beste für uns ist.

Zum Schluss gebe ich euch das Gebot im gesamten Wortlaut mit auf den Weg. Es enthält nämlich noch ein sehr mutmachendes Versprechen:

„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.“ (2.Mose 20,12)

Wie soll ein Mensch das schaffen (Text: Christoph Zehendner, Melodie: Johannes Nitsch)